Ein Geschenk

Es ist Weihnachtszeit. Der kleine Tim besucht den Großvater in der Werkstatt Dieser schnitzt gerade an einer Krippenfigur, andere stehen schon fertig auf dem Tisch. Tim schaut zu und legt den Kopf auf die Tischkante; er schläft ein.
Da werden alle Gestalten um ihn herum lebendig: die Hirten, Maria und Josef, die Könige...Sie sind nicht mehr klein und Tim nicht mehr groß. Ohne aufzufallen geht Tim mit ihnen in den Stall von Bethlehem. An der Krippe bleibt er stehen, das Jesuskind schaut ihn an. Tim erschrickt, Tränen steigen ihm in die Augen.
"Warum weinst du?", fragt Jesus. Tim antwortet: "Weil ich dir nichts mitgebracht habe!" "Ich hätte aber gern etwas von dir", sagt Jesus. Tim stammelt verlegen: "Ich will dir alles schenken, was ich habe.

" Jesus nimmt ihn beim Wort: "Drei Dinge kannst du mir schenken." Der Junge unterbricht ihn: "Meinen neuen Anorak, meine elektrische Eisenbahn und mein Lieblingsbuch!"
Verwundert schaut Jesus ihn an: "Das brauche ich nicht, Tim. Dazu bin ich nicht auf die Erde gekommen. Ich möchte etwas anderes von dir." "Was denn?", fragt der Junge kleinlaut. Leise flüstert ihm Jesus ins Ohr: "Schenk mir deinen letzten Aufsatz!" Erschrocken stotterte Tim: "Der Lehrer hat doch "ungenügend" darunter geschrieben!"
"Eben deshalb will ich ihn haben", erwiderte Jesus. Tim schüttelte den Kopf. Aber Jesus erklärt: "Gib mir alles aus deinem Leben, was "ungenügend" ist. Versprich du mir das?" Der Junge nickt und strahlt.
"Als zweites Geschenk will ich deinen Milchbecher", bittet Jesus. "Aber der ist doch heute Morgen zerbrochen!", schluchzt Tim.
Das Jesuskind schaut ihn an, als könnte er tief in ihn hineinsehen. Bring mir alles, was in deinem Leben zerbrochen ist!
Ich will es heil machen.- Und mein dritter Wunsch: "Bitte bring mir auch die Antwort, die du deiner Mutter gabst, als sie nach dem Becher fragte!" Da weinte Tim bitterlich und gesteht: "Ich habe gelogen: In Wahrheit habe ich aus Wut den Becher zerschmettert!"
Jesus schaut dem kleinen Jungen ohne Vorwurf und ohne zu schimpfen liebevoll in die Augen.
Da weiß Tim: Jesus versteht mich. Weil er mich liebt, hilft er mir. Ich will ihm vertrauen. Noch einmal spricht das Kind in der Krippe: "Tim, du kannst mir immer deine Lügen, deine Wut, dein Versagen, alles Böse deines Lebens bringen. Komm zu mir! Ich helfe dir. Ich will dir vergeben, dich an der Hand führen und dir den Weg zeigen. So wie du bist will ich dich annehmen. Willst du dir das schenken lassen?"

Tim wacht auf. Zum ersten Mal in seinem Leben begreift er: Weihnachten ist weit mehr als Geschenke unter dem Tannenbaum!